[R03 MOBILITÄTSPAKET]

EU-Mobilitätspaket.

Das Mobilitätspaket der EU hat den europäischen Straßengüterverkehr seit 2020 stufenweise umgebaut. Für Verlader ist es kein Randthema: Es erklärt, warum Kapazität knapper und Fernverkehr teurer geworden ist.

Kurz beantwortet

Das Mobilitätspaket ist ein Bündel von EU-Regeln zu Lenk- und Ruhezeiten, Kabotage, Entsendung von Fahrern und Marktzugang. Kern sind die Rückkehrpflichten: Fahrzeuge müssen mindestens alle acht Wochen in den Niederlassungsstaat zurück, Fahrer regelmäßig – im Grundsatz alle vier Wochen – nach Hause oder zur Niederlassung.

Praktische Folge für Verlader: weniger endlos rotierende Fahrzeuge im Ausland, dadurch strukturell höhere Kosten pro Fernverkehrs-Kilometer und weniger spontane Kapazität in Spitzenwochen.

Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

Zentrale Bausteine des Mobilitätspakets und ihre Wirkung auf Ihre Sendung
RegelInhaltWirkung für Verlader
Rückkehr des FahrzeugsRückkehr zur Niederlassung mindestens alle 8 WochenLeerkilometer werden eingepreist
Rückkehr des FahrersHeimreise im Regelfall alle 4 Wochengeplante Fahrerwechsel, weniger Ad-hoc-Verfügbarkeit
Kabotage3 Fahrten in 7 Tagen, danach 4 Tage Sperre für dasselbe LandInlandsverkehre nicht beliebig zubuchbar
Wochenruhezeitregelmäßige Wochenruhezeit nicht im Fahrzeugfeste Standzeiten, engere Laufzeitfenster
EntsendungLohnniveau des Einsatzlandes bei Kabotage und Cross-TradePreisniveau nähert sich an
Smart-TachografGrenzübertritte werden automatisch erfasstKontrollen greifen zuverlässiger
Fahrzeuge über 2,5 tLizenzpflicht im internationalen Verkehrauch Sprinter-Verkehre sind reguliert

Kabotage: die Regel, die am häufigsten missverstanden wird

Kabotage ist der Transport innerhalb eines fremden Mitgliedstaats durch einen Frachtführer aus einem anderen Land. Erlaubt sind nach einer eingehenden internationalen Fahrt drei solche Beförderungen innerhalb von sieben Tagen. Danach greift die Karenzzeit: vier Tage kein weiterer Inlandsverkehr im selben Land mit demselben Fahrzeug.

Für Sie heißt das: Ein Fahrzeug, das gestern in Ihrer Region eine Zustellung hatte, darf nicht automatisch Ihre nächste Inlandsfahrt übernehmen. Wer verlässlich Inlandsverkehre braucht, plant sie über Frachtführer mit deutscher Niederlassung.

Entsendung und Dokumentation

Bei Kabotage und Cross-Trade gilt das Lohnniveau des Einsatzlandes. Die Meldung läuft über das EU-Portal IMI, und Kontrollbehörden können Nachweise über Entgelt, Arbeitszeiten und Frachtbriefe verlangen. Reine Transitfahrten und bilaterale Verkehre sind grundsätzlich ausgenommen.

Als Auftraggeber haften Sie nicht für die Lohnabrechnung Ihres Frachtführers – aber Sie tragen das Ausfallrisiko, wenn ein Fahrzeug bei einer Kontrolle stillgelegt wird. Deshalb prüfen wir vor Beauftragung Lizenz, Versicherungsdeckung und Kabotagestand.

Was das für Ihre Planung bedeutet

  • Fernverkehrspreise sind strukturell gestiegen und werden nicht auf das Niveau vor 2020 zurückfallen.
  • Kapazität ist am Freitag und vor Feiertagen knapp, weil Ruhezeiten und Rückkehrfahrten kollidieren.
  • Frühe Buchung schlägt Verhandeln: Laufzeitzusagen sind planbar, Spontanladeraum ist teuer.
  • Enge Zeitfenster beim Empfänger kosten mehr als vor der Reform, weil Pufferzeit knapper ist.

Die Regeln entwickeln sich weiter, unter anderem bei der Umsetzung in nationales Recht und bei Kontrolldichte. Für konkrete rechtliche Bewertungen ziehen Sie bitte Ihre Rechtsabteilung oder einen Fachverband hinzu.

Stand: September 2026 · Angaben ohne Gewähr, keine Rechtsberatung

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